Vier-Tage-Woche Schweiz: Pilotprojekte im Praxistest

Vier-Tage-Woche Schweiz: Pilotprojekte im Praxistest

Die Vier-Tage-Woche Schweiz bezeichnet ein Arbeitszeitmodell, bei dem Mitarbeitende an vier statt fünf Tagen pro Woche arbeiten, meist bei vollem Lohn nach dem sogenannten 100-80-100-Prinzip. Getestet wird sie in einem sechsmonatigen Pilotprojekt der Berner Fachhochschule (BFH), an dem mehrere Schweizer Betriebe aus Beratung, IT und dem Non-Profit-Bereich teilnehmen. Die ersten Zwischenergebnisse zeigen, für welche Branchen sich das Modell eignet und wo es an Grenzen stösst.

Grundlagen: Wie das 100-80-100-Modell funktioniert

Das Kürzel 100-80-100 fasst das Prinzip zusammen: Mitarbeitende erhalten weiterhin den vollen Lohn, reduzieren ihr Pensum auf 80 Prozent der bisherigen Zeit und sollen dabei dieselbe Leistung wie zuvor erbringen. Von reinen Lohnkürzungsmodellen, wie sie in manchen Ländern diskutiert werden, unterscheidet sich dieser Ansatz deutlich. Damit die Rechnung aufgeht, straffen die beteiligten Betriebe ihre Meetingstruktur, priorisieren Aufgaben strenger und streichen administrative Doppelspurigkeiten, die im Fünftagemodell oft unbemerkt Zeit fressen. Gleich gut eignet sich das Modell allerdings nicht für jeden Betrieb: Branchen mit viel Kundenkontakt oder Schichtbetrieb stossen schneller an ihre Grenzen als Beratungs-, IT- oder Verwaltungsunternehmen, in denen sich Arbeitszeit flexibler organisieren lässt.

Vier-Tage-Woche Schweiz1100-80-100Lohn, Zeit, LeistungVolle Bezahlung bei80 Prozent Arbeitszeit26 MonateBFH-PilotphaseWissenschaftlich begleiteterTest in Schweizer Betrieben3+13%ProduktivitätNordische Studie zeigthöhere Leistung pro Team4Weniger Stresslaut ZwischenbilanzTiefere Krankheitsquoteund bessere Selbstorganisationtuugo.ch

Vier-Tage-Woche Schweiz: Das Pilotprojekt der BFH

An der Testphase nehmen unter anderem eine Nichtregierungsorganisation, ein Bauunternehmen sowie ein Beratungs- respektive Softwareunternehmen teil, während sich eine Bank aktuell noch in der Vorbereitungsphase befindet (Berner Fachhochschule BFH, 2026). Mehrheitlich positiv fallen die Zwischenergebnisse aus dem Spätsommer 2026 aus: Mitarbeitende berichten von tieferem Stress, besserer Selbstorganisation und einem stärkeren Teamzusammenhalt, während die Produktivität stabil bleibt. Noch deutlicher fiel der Effekt in einer begleitenden nordischen Studie zur Vier-Tage-Woche aus. Nach sechs Monaten verzeichnete sie einen Produktivitätsanstieg von 13 Prozent, während Stress und krankheitsbedingte Ausfälle spürbar zurückgingen (nordische Studie, zitiert nach Personalschweiz, 2026). Damit solche Effekte auch in Schweizer Betrieben messbar bleiben, braucht es verlässliche Werkzeuge zur Arbeitszeiterfassung. Eine moderne Zeiterfassungssoftware hilft dabei, Arbeitszeiten transparent zu dokumentieren und die vereinbarte Leistung nachvollziehbar zu belegen, was auch bei flexibleren Modellen wie einem Sabbatical oder in Phasen mit reduziertem Pensum an Bedeutung gewinnt.

Vier-Tage-Woche in der Praxis: Worauf KMU achten sollten

Von heute auf morgen lässt sich die Vier-Tage-Woche in der Praxis kaum einführen. Erfolgreiche Betriebe starten meist mit einer Testphase von drei bis sechs Monaten und legen vorab klare Erfolgskriterien fest. Sie beziehen die Belegschaft von Anfang an in die Gestaltung ein, denn dieser Vorlauf entscheidet später oft darüber, ob das Modell akzeptiert wird oder in der Praxis rasch wieder verworfen werden muss. Eine ehrliche Bestandsaufnahme der Arbeitsprozesse gehört ebenso dazu: Leerläufe lassen sich identifizieren, unnötige Meetings streichen und mit digitalen Werkzeugen zusätzliche Zeit gewinnen. Ergonomie am Arbeitsplatz gewinnt dabei an Gewicht, weil Mitarbeitende an den verbleibenden vier Tagen länger und konzentrierter arbeiten. Ein ergonomisches Homeoffice mit höhenverstellbarem Schreibtisch kann die zusätzliche Belastung pro Arbeitstag abfedern und Verspannungen vorbeugen helfen. Wer das Modell dagegen überstürzt einführt, riskiert Frustration bei Kundschaft und Team, weil Erreichbarkeit und Prozesse vorher nicht geklärt wurden. Ein strukturiertes Mitarbeitergespräch vor dem Start hilft zusätzlich, Erwartungen und Ziele frühzeitig abzustimmen.

Häufige Fragen zur Vier-Tage-Woche

Bedeutet die Vier-Tage-Woche automatisch weniger Lohn?

Nein: Die meisten Schweizer Pilotprojekte folgen dem 100-80-100-Modell, bei dem der volle Lohn bei reduzierter Arbeitszeit erhalten bleibt. Einige Unternehmen testen jedoch auch Varianten mit anteilig tieferem Pensum und entsprechend angepasstem Lohn, weshalb sich ein Blick ins jeweilige Firmenmodell lohnt.

Für welche Branchen eignet sich das Modell besonders?

Besonders gut lässt sich die Vier-Tage-Woche in Branchen mit planbaren, wissensintensiven Tätigkeiten umsetzen, etwa in Beratung, IT, Verwaltung oder im Non-Profit-Bereich. Schwieriger wird es im Schichtbetrieb, im Detailhandel oder überall dort, wo durchgehende Erreichbarkeit für die Kundschaft zentral ist.

Wie wird der Erfolg des Pilotprojekts gemessen?

Die wissenschaftliche Begleitung durch die BFH erfasst unter anderem Produktivität, Stresslevel, Krankheitsabsenzen und Mitarbeiterzufriedenheit vor, während und nach der Testphase. Diese Kennzahlen erlauben es, die Wirkung des Modells über reine Stimmungsbilder hinaus objektiv zu beurteilen.

Müssen Arbeitnehmende die Vier-Tage-Woche akzeptieren?

Nein: Die Einführung erfolgt in aller Regel freiwillig und im gegenseitigen Einverständnis zwischen Betrieb und Belegschaft. Bestehende Arbeitsverträge und gesamtarbeitsvertragliche Regelungen bleiben massgebend, weshalb Anpassungen stets vertraglich sauber festgehalten werden sollten.

Fazit

Weitere Zwischenberichte aus der laufenden BFH-Testphase dürften in den kommenden Monaten Klarheit darüber schaffen, wie tragfähig das Modell über die Pilotbetriebe hinaus ist. Für Betriebe, die selbst eine Testphase erwägen, zahlt sich eine sorgfältige Vorbereitung aus: klare Ziele, transparente Prozesse und passende digitale Werkzeuge zur Arbeitszeiterfassung, bevor das Modell breiter eingeführt wird. Auch Unternehmen, die vorerst beim klassischen Fünftagemodell bleiben, können von den Erfahrungen der Pilotbetriebe lernen, etwa bei der Frage, welche Meetingstrukturen sich straffen lassen oder wie sich Leistung fair und nachvollziehbar messen lässt. Wer den Wandel der Arbeitswelt weiterverfolgen möchte, findet ergänzende Hintergründe zur Work-Life-Balance in Schweizer Betrieben.

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